Was ist los mit Dir Ossi?

Seit der Wahl wird noch mehr auf die AfD eingedroschen was das Zeug hält. Auf der Suche nach einer Erklärung für das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl, wird der Ostdeutsche Mann als ein Problem dargestellt mit einer hohen Affinität zur AfD.

Ich bin kein AfD-Wähler und zähle mich auch nicht zu deren Zielgruppe.

Ich kann aber genau sagen, wo Probleme und die Ungerechtigkeiten in diesem Lande hier liegen.

Beispiel: Öffentlicher Dienst und die Bezahlung der Mitarbeiter im Vergleich zu Ost zu West.

Die Anzahl der Beamten aus dem Westen hier im Osten; ein paar Zahlen aus dem Jahr 2013:
„Von den insgesamt 192 Abteilungsleitern in den ostdeutschen Landesministerien stammen 146 aus der alten Bundesrepublik.“

In den Gemeinden und Kreisen und im Bund sieht es nicht wesentlich anders aus.

Mit Westbesoldung und Buschzulagen ist man natürlich kein flammender Kämpfer für die Angleichung des Entgelts der Mitarbeiter/Angestellte im Öffentlichen Dienst im Tarifgebiet Ost an Westniveau.

Man hörte und las, dass das Entgelt der Staatsbediensteten (z.B. von Bund und Kommunen) angeglichen worden ist. Aha.

Beim näheren Hinsehen, stellt man fest, dass die Arbeitszeit für dieses „gleiche“ Entgelt im Westen und Bund bei 39h und im Osten (und Hamburg) bei 40h die Woche liegt. Macht bei 52 Wochen im Jahr, 52h weniger Arbeit für den Westkollegen, was 6,5 Arbeitstage (à 8h) entspricht.

Das hat Auswirkungen auf die Personalausstattung hat, die im Westen übrigens höher ist als im Osten zusätzlich zur geringeren Arbeitszeit.

Der Staat spart auf Kosten der Mitarbeiter im Osten Personal. Was ein Problem bei geplanter (Urlaub, Weiterbildung…) und ungeplanter Abwesenheit (Krankheit, Reha, Verletzungen…) ist, welches sich wie eine Aufwärtsspirale von Jahr zu Jahr verschärft. Häufig gibt es keine Vertretungen und die Menschen einfach älter werden. Die Ausfälle häufen sich und die Ausfälle dauern länger. Egal ob im Kindergarten und in einer IT-Abteilung. Dann ist noch der demographische Wandel. Mitarbeiter gehen in Rente oder werden pensioniert, neben der „normalen Mitarbeiterfluktuation“. Die Stellen bleiben meist eine Weile (~ ½ Jahr) unbesetzt, um Geld zu sparen. Wenn überhaupt ein qualifizierter Nachfolger gefunden wird, findet so keine Übergabe statt. Wissen geht verloren, Mitarbeiter können durch die Kollegen nicht angemessen eingearbeitet werden. Die Qualität sinkt, der Frust und die Unzufriedenheit steigt.

Ergänzend ist die Jahressonderzahlung („Weihnachtsgeld“) im Osten niedriger als im Westen. Dies ist abhängig von der Entgeltgruppe, zwischen 13,36% – 20,51% weniger. Warum diskriminiert der Staat seine eigenen Bediensteten, nach deren Herkunft obwohl selbst Gesetze wie das Allgemeine Gleichstellungsgesetz dies verbieten?

Eine tatsächliche Angleichung heißt im Osten mehr Geld entsprechend der mehr geleisteten Arbeitsstunden oder die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit mit einhergehender Aufstockung des Personalbestandes und Anpassung der Höhe der Jahressonderzahlung.

Rente. Gleiches Spiel wie es Tarifgebiete für den Öffentlichen Dienst gibt, gibt es eine Ostrente, die geringer ist, als eine Westrente (analog zu den Pensionen für die Beamten). Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Angliederung der DDR an den Geltungsbereich des Grundgesetzes! Dann noch diese Ungeheuerlichkeit, dass auch noch Renten unterhalb der Armutsgrenzen (trifft den Durchschnitt der Ostrentner) versteuert werden!

Der Staat, der die Gesetze und Verordnungen macht, denkt noch 27 Jahre nach der Wende in Ost und West. Es werden Unterschiede in der Personalausstattung, in der Bezahlung und in der Rente gemacht, die nicht abhängig von Bildung oder der Gleichen sondern nur vom Geburtsort sind. Dies ist nur ein sehr kleiner Bereich.

Und Ihr wundert Euch? Mich wundert es überhaupt,  dass die, die für die Verhältnisse verantwortlich sind, noch soviel Zustimmung bekommen haben.

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